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Nice Rimjob! – Lasst uns über „Pacific Rim“ quatschen

pacificrim

In „Avengers 2“ muss Tony Stark wohl oder übel beweisen, dass es nicht auf die Größe ankommt.
Bildquelle: Warner Bros. Deutschland

Weiß noch jemand, an welchem großen Filmprojekt Guillermo del Toro vor circa einem Jahr nicht hätte beteiligt sein sollen? Er sollte Peter Jackson als Regisseur bei „Der Hobbit“ ablösen, den dritten „Hellboy“ und eine Adaption von Lovecrafts „At the Mountains of Madness“ in die Kinos bringen.

Bisher ist von all den frommen Wünschen nicht viel geblieben. Für den „Hobbit“ soll er maßgeblich am Design mitgewirkt haben, insbesondere was die Frage der Gestaltung von Smaug anging und hat auch am Drehbuch gearbeitet, aber alle anderen Projekte verweilen in der berüchtigten Development Hell.

Daher überraschte der erste Trailer für „Pacific Rim“ vergangenes Jahr auch eingeschworene del-Toro-Fans: Ein Trailer? Das heißt ja – meistens – dass auch die Produktion wenigstens begonnen haben muss. Aber der Zynismus wich schnell der Begeisterung. Das Konzept ist so geradlinig wie vielversprechend: In einer nicht allzu fernen Zukunft wird die Erde von echsenhaften Monstern angegriffen, die aus einem Dimensionsportal im Pazifischen Ozean auf die Erde gelangen und auch in dicht besiedelten Gebieten solange einen auf Godzilla machen, bis sie durch das Militär niedergestreckt werden.

Die Militärtechnologie der Menschen ist der Kaiju getauften Bedrohung jedoch nicht ebenbürtig, eine neue Waffe muss her: Die gigantischen Roboter mit dem Spitznamen Jäger, die von gleich zwei Piloten gesteuert werden müssen.

Welche Anstrengungen die Menschheit leisten musste um die Jäger herzustellen, welche ersten Erfolge es gab und wie Bedrohung und Widerstand die Gesellschaft verändert haben, präsentiert Del Toro in einer zeitsparenden Montage mit Voice-Over-Narration. Man hat das Gefühl, dass er den Beschwerden mancher Kinogänger gerecht werden wollten, die keine Origin-Story mehr sehen können. Vielleicht trägt er aber auch dem geschulten Publikum Rechnung und will uns mit einem Augenzwinkern sagen: Hey, wir wissen ja alle wie so eine Story ungefähr aussieht. Hier sind die wichtigen Fakten, lasst uns zum Hauptgericht kommen.

Hauptgericht nicht nur, weil das auf diese Art schnell abgehandelte – und dennoch liebevoll detaillierte – World Building nicht mehr die Hälfte des Films ausmacht und daher Zeit für Charaktermomente und Action bleibt, sondern auch, weil der Film genügend Szenarien für eine ausgewachsene Trilogie hat. Auf einen einzelnen Film geschneidert bringt der große Kampf zwischen Monstern und Robotern mindestens genau so viel Spaß. So muss del Toro auch nicht auf eine Fortsetzung hoffen (auch wenn diese laut Imdb.com bereits in Planung ist) – er hat bereits eine Trilogie hinter sich.

Verzehrempfehlung:

„Pacific Rim“ schmeckt am besten mit einer Prise Testosteron (metaphorisch gesehen, bitte nicht sexistisch falsch verstehen), Freude an Blockbustern mit Kopf, Herz und Bauch. Er ist hervorragend für einen Filmabend mit Freunden zu empfehlen, einsamer Verzehr nur bedingt zu empfehlen. „Pacific Rim“ ist süffig im Abgang und augenzwinkernd in der Handlung.

Die Folter 3D erwartete mich natürlich auch in diesem Film erneut. Doch trotz viel Action bei dunklen Lichtverhältnissen konnte ich – neben dem höheren Ticketpreis – keine negative Beeinträchtigung wahrnehmen. Bei ruhigeren Momenten empfand ich den Tiefeneffekt sogar als interessant, da sie eine konkrete Vorstellung der Dimensionen eines Gebäudekomplexes – aber leider nicht der Jäger – vermitteln konnten.

Zu del Toro habe ich ein gespaltenes Verhältnis, „Mimic“, einer seiner ersten US-Filme habe ich in sehr schlechter Erinnerung, die „Hellboy“-Filme zeigen seine großen Stärken: Casting und Design. Kaum einer Comic-Figur wurde eine so originalgetreue Realfilmadaption spendiert wie dem roten Dämon mit der Steinfaust. Die Handlung beider Filme lies mich jedoch beide Male ein wenig enttäuscht zurück. Es fällt schwer zu sagen, was nicht richtig lief. Im ersten Teil erschienen mir die Monster zu einseitig für derart schillernde Bösewichte, von denen sie eingesetzt wurden. Den zweite Teil muss ich mir erneut zu Gemüte führen. (Schlimmer jedoch: „Pan’s Labyrinth“ habe ich bisher überhaupt nicht gesehen, Schande über mein Haupt.)

Dass del Toros „Pacific Rim“ bisher den besten Eindruck all seiner Filme bei mir hinterlassen hat, liegt vielleicht auch daran, dass es hier nicht um eine Adaption geht: Das Drehbuch stammt von ihm selbst und man merkt die Freude am Projekt in jeder Szene. Nein, der Plot des Films ist  nicht besonders komplex, innovativ oder besonders. Die kleinen Details, die zwischenmenschlichen Besonderheiten und die, gut durchdachten gesellschaftlichen Konsequenzen, die del Toro als scheinbares Beiwerk eingebaut hat, beeindrucken. Wenn eine Erde beschrieben wird, auf der die Menschheit sich seit Jahren im Krieg mit den Kaiju befindet, ohne völlig in ein militärisches Regime abzudriften, Jäger-Piloten zu Rockstars werden und ein komplexer Schwarzmarkt durch die Präsenz der Monster entsteht, wird klar: Hier hat jemand nachgedacht und sich die „Was wäre wenn?“-Frage nicht nur einmal gestellt.

So ist es nicht nur die kindische Freude daran, zu beobachten, wie gigantische Roboter ebenso großen Monstern deftig die Kauluken umdekorieren, sondern auch der Spaß am Erzählen, der hier im Kino vermittelt wird. Die Liebe zum Detail wird insbesondere denjenigen auffallen, die sich besser im japanischen Film, insbesondere im Anime-Kino auskennen, mir entgehen da natürlich viele Anspielungen. Dennoch bekomme ich immer mehr Lust auf eine Realverfilmung von „Saberrider and the Star Sheriffs“. Ich schreibe gerne das Drehbuch für eine entsprechende Trilogie, ich bin auch nicht teuer.

Kurzfazit:
„Herrlich spaßige Schlacht zwischen Robotern und Monstern. Da die Charaktere durch glaubwürdige Psychologie geerdet sind, wirkt der absurde Blockbuster-Plot nicht belanglos. Liebevoll, detailliert erzählt.“

Ob es finanzielle Gründe waren oder eine rein künstlerische Entscheidung, die Tatsache, dass keine großen Namen in diesem Film zu sehen sind, ist ein großer Gewinn. Das Schlagwort „unverbrauchte Gesichter“ bedeutet auch, dass man mit den „Pacific Rim“-Schauspielern eben insbesondere „Pacific Rim“ verbindet. Würde Tom Cruise hier mitspielen, es würde selbst dann stören, wenn man ein großer Fan seiner Person ist. Interessanterweise soll ausgerechnet Monsieur Cruise für eine Rolle im Gespräch gewesen sein, die schlussendlich an Idris Elba. Ach ja… Idris Elba. Ich glaube, der ist einen eigenen Artikel hier wert.

+++ Synchronisation? Gelungen! Nur die epische Rede, die Idris Elba im O-Ton schmettert, verliert 1000% an Gänsehautpunkten. +++ Reicht DVD, oder doch lieber Blu-Ray? Bei so vielen Schauwerten und gutem Sound sollten es schon Full HD, großes Bild und gute Anlage sein. Es macht aber auch ohne Spaß. +++ Wiederschauwert? Hoch, mehr als dreimal jedoch nur, wenn die Welt von „Pacific Rim“ über alle Maßen begeistert oder die Fortsetzung grandios wird. +++

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  1. Tharos says

    Saber Rider and the Star Sheriffs wäre wohl eins der genialsten Film Projekte, die ich mir vorstellen kann. Auf der Facebook Seite von SRatSS wurde ja auch mehr als einmal auf Pacific Rim hingewiesen. Und der Hyp gleich für etwas Eigenwerbung (u.a. bezüglich des kommenden Spieles) gemacht.

    Leider hat SRatSS weltweit keine so starke Fanbasis, wie hier in Deutschland. In Japan, dem Ursprungsland, ist die Serie damals total gefloppt. Die US-Version, die wir hier in Deutschland kennen, hat eine doch teils stark abweichende Story als Syncro, als andere Länder.

    Das alles spricht leider nicht für eine Umsetzung.

    Wenn es um einen Film mit gigantischen Robotern geht, sollte Battletech (Classic) immer ein Thema sein. Gigantischere Roboterschlachten (wobei die BattleMechs ja bekanntlich durch Menschen gesteuert werden) gibt es bisher nicht.



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