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Vorsicht: Englis[c]h! – Douglas Adams und George Orwell kochen Tee

teekochenEs ist kein Geheimnis, dass ich der englischen Sprache nicht ohnmächtig bin. Ergeben hat sich dies stets von anderen Interessen ausgehend: Im Alter von acht Jahren habe ich den ersten Teil von „Leisure Suit Larry“ auf einem 286er mit monochromen Röhrenbildschirm gespielt. Dort lernte ich so unverzichtbare Vokabeln wie „sit“, „remote control“ und „beer“ (das Passwort ist übrigens „Ken sent me“). Über viele Zwischenschritte und natürlich Schulenglisch reichte es dann irgendwie bis zum Englischstudium. In der Rubrik „Vorsicht Englis[c]h!“ konzentriere ich mich auf ausschließlich englischsprachige Quellen, mein Text bleibt jedoch in deutscher Sprache. Daher: „No prior experience necessary“. Dem Titel der Seite entsprechend, beschäftigen wir uns heute mit dem britischsten, ähm… chinesischsten aller Getränke: Tee.

Der fantastische Stephen Fry hat es mehrfach getwittert (Folgebefehl für anglophile Twitterer), die Kollegen von Boingboing.net haben es anscheinend entdeckt und ich weise hier noch mal darauf hin (ja, so funktioniert auch „echter“ Journalismus heutzutage leider oft):

George Orwell („1984“) beglückte die Welt mit seinem Essay „A nice cup of tea“ im Jahre 1946 die Leser des Evening Standards (gegen Echtgeld hier als Teil einer Anthologie zu erwerben). Die freundlichen Menschen von „Books AtoZ“ haben ihn auf ihrer Seite erneut veröffentlicht. Mir ist nicht bekannt, ob der Essay in Deutschland bereits gemeinfrei ist und weise jegliche Verantwortung von mir, was die Inhalte anderer Seiten angeht (verlinkt oder nicht).

Das Zitaterecht lässt aber durchaus zu, dass ich einige der elf Regeln, die Orwell aufführt, um eine perfekte Tasse Tee zu kochen, hier wiedergebe und kommentiere. Kommen wir zuerst zu den Punkten, in denen ich ihm zustimme:

Der Tee sollte ohne Zucker getrunken werden – absolut! Insbesondere wenn es sich um einen feineren Tee handelt, erstickt der Zucker ja den Geschmack des Tees. Die Ausnahme bei Orwell und auch mir: Russische Teekultur. Das Konzentrat aus einem Samowar ist so bitter, dass man es nur verdünnt und mit Zucker konsumieren sollte. Oder pur um seine Männlichkeit/Dummheit zu beweisen.

Die Teekanne sollte vor dem Kochen vorgewärmt werden. Dass diese simple Technik einen Geschmacksunterschied macht, glaubt einem zwar niemand… aber der Unterschied ist da. Wenn er psychosomatisch sein sollte, ist mir das egal, ich wärme vor.

Man soll die Teekanne zum Wasserkocher bringen, nicht umgekehrt. Richtig. Bei den meisten Schwarztees (über die Orwell zweifelsohne spricht) sollte die Temperatur wirklich möglichst nah am Siedepunkt sein.

Das war es auch schon. Die übrigen Regeln betreffen unter anderem die alte Frage nach dem Zeitpunkt der Milchzugabe (diese wird bei mir traditionell mit einem „niemals“, bei aromatisierten Tees mit einem „auf gar keinen Fall!“ beantwortet) oder deuten daraufhin, welche Qualität das von Orwell konsumierte Teeblatt hatte: eher mies, aber stark im Geschmack. So spricht sich der Autor gegen die Verwendung von Teebeuteln und Filtern jeglicher Art aus – ein paar Teeblätter schlucken wäre ja nicht gefährlich. Schmeckt aber absolut widerlich. Schlussendlich entscheidet aber der subjektive Geschmack, das sollte man bei diesem und ähnlichen Themen nie vergessen.

“The Americans are all mystified about why the English make such a big thing out of tea because most Americans have never had a good cup of tea.”

– Douglas Adams

Bei Openculture.com hat man zudem noch einen älteren Artikel von Douglas Adams (wirklich? Zu ihm muss ich in Klammern was schreiben? Ist der mittlerweile nicht auf dem Lehrplan für das fünfte Schuljahr?) ausgegraben.

Den habe ich vor Jahren bereits gelesen, auch darin findet sich viel Wahrheit. Schon kurios, dass in der Woche, in der ‘ne Tasse Tee online ging, so viel Tee-Content in meine Timelines geschwemmt wird. Wir nehmen es als gutes Omen, einverstanden?

Dann wäre da noch Alan Rickman. Man darf mit dem obigen Video tun und lassen was man will, man darf es ignorieren, genießen, man sollte es unbedingt in 1080p im Vollbild-Modus schauen nur eins sollte man sich sparen: Zu fragen „Wieso, weshalb, warum?“. Für mich beweist es einmal mehr, dass Rickman nicht nur der beste „Stirb Langsam“-Bösewicht, der beste Sheriff von Nottingham, Gottes Stimme und der einzige Mensch ist, der trotz der Frisur von Severus Snape nicht lächerlich wirkt, sondern auch noch eine coole Sau. (Über den vorherigen Satz könnte man eine sprachwissenschaftliche Bachelorarbeit schreiben, macht Euch ran!)

Ein paar Jahre vor Orwells Essay schaffte es ein Infomercial in die britischen Kinos, der den Bürgern des Königreichs die richtige Verwendung, Lagerung und Zubereitung von Tee näher bringen sollte. Heute hat er zu seinem Informationsgehalt auch noch einen nostalgischen Unterhaltungswert.

Wir werden uns weiterhin um teegemäße Aufklärung bemühen. Doch demnächst gibt es mehr Anglo- und Amerikanophiles (das Wort steht nicht im Duden, wie kommt’s nur?) an dieser Stelle.

Abgelegt in Vorsicht: Englis(c)h!.

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2 Reaktionen

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  1. DerHuff says

    Ich habe damals (TM) in Kirgistan meine Dummheit bewiesen. Ich habe den Tee unverdünnt getrunken. Ganze zwei Wochen. Und mir ging’s gut. Ok, Zucker brauchte ich, aber hey, mir ging’s gut. Oder?

  2. Herr Hammes says

    Habe auch immer noch vor, das Konzentrat irgendwann einmal unverdünnt zu… genießen. Aber ohne Zucker.



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